Fantasie · Kontrolle · Einvernehmen
Die Parkbank
Eine dunkle Geschichte über Erwartung, Kontrollverlust und eine Begegnung, die nur innerhalb klarer Absprachen ihren Reiz entfalten darf.
Du sitzt allein auf einer Parkbank. Es ist weit nach Mitternacht. Aus dem Wald dringt das leise Rascheln kleiner Tiere, irgendwo ruft ein Uhu. Der Mond zeichnet blasse Konturen auf die Wiese, über der ein dünner Nebel liegt.
„Wer trifft sich um diese Uhrzeit mit einer Fremden aus dem Internet?“, fragst du dich. Wahrscheinlich wird niemand erscheinen. Vielleicht war die ganze Sache nur ein Scherz.
Dann erkennst du eine Gestalt in der Dunkelheit. Dein Herz schlägt schneller, bis du bemerkst, dass es nur die alte Statue in der Mitte des Parks ist. Du atmest aus. Für einen Moment wirkt wieder alles normal.
Plötzlich verstummt der Uhu. Auch das Rascheln ist verschwunden.
Hinter dir bricht ein Ast.
Du willst dich umdrehen, doch ein harter Schlag lässt die Welt verschwimmen. Das Letzte, was du siehst, sind dunkle Schuhe neben dem zerbrochenen Ast.
Als du wieder zu dir kommst, dröhnt dein Kopf. Kaltes Metall liegt um deine Handgelenke. Bei jeder Bewegung antwortet das leise Klirren einer Kette. Auch deine Beine sind fixiert; eine Augenbinde nimmt dir die Sicht.
Die Erinnerung kehrt in einzelnen Bildern zurück: die Parkbank, das Knacken, die Schuhe. Du versuchst dich zu orientieren. Unter dir fühlt sich der Boden wie Holz an. Der Raum ist kühl und still.
Eine Tür öffnet sich. Ein Luftzug streift deine Haut. Du hörst Schritte und nimmst einen süßlichen Duft wahr. Jemand bleibt direkt neben dir stehen. Eine Hand berührt ruhig deine Stirn, dann wird die Augenbinde langsam angehoben.
Vor dir steht eine Frau. Ihre Stimme ist sanft, aber ohne jede Unsicherheit.
„Willkommen“, sagt sie. „In dieser Fantasie gehört deine Aufmerksamkeit jetzt mir.“
Du weißt, dass genau dieser Moment Teil der vorher vereinbarten Geschichte ist. Trotzdem fühlt sich die Inszenierung erschreckend echt an. Die Regeln, das Sicherheitszeichen und dein jederzeit gültiges Abbruchwort existieren hinter der Rolle – unsichtbar, aber verlässlich.
Sie zieht dir die Augenbinde wieder herunter.
„Ruh dich aus. Morgen beginnt deine Ausbildung.“
Die Tür fällt ins Schloss. Wieder bleiben nur die Stille, das Klirren der Ketten und die Frage, wie weit du dich in diese Fantasie fallen lassen willst.
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